Pioniere, Projekte und Partner

Projekte: Standorte und Startschuss. Etappensiege und Erfahrungsvorsprung

Das Modellprojekt „Weiterbildung als Akteur in Regionalen Bildungsnetzwerken“ war der eigentliche Startschuss, um eine systematische Zusammenarbeit zwischen Weiterbildung und Regionalen Bildungsnetzwerken in Gang zu bringen. Es wurde 2010 als zweiphasiges Modellprojekt durchgeführt: Gestiftet wurden konkrete Anlässe für Mitarbeiter/-innen aus zahlreichen Weiterbildungseinrichtungen bzw. Regionalen Bildungsbüros, die dadurch oft erstmals von der wechselseitigen Existenz erfuhren. Das Projekt bot inhaltliche Aufhänger, um miteinander in Kontakt zu treten – und nahm damit bereits die erste und entscheidende Hürde.

Standorte und Startschuss

Im Oktober 2011 wurden vier Projektstandorte ausgewählt. Die Standorte wurden so gewählt, dass sich Kreise und kreisfreie Städte in NRW in den Modellstandorten wiederfinden und die Erfahrungen übertragen werden können. Die Standorte unterscheiden sich hinsichtlich ihrer regionalen Gegebenheiten und haben zum Modellprojekt auch unterschiedliche Erkenntnisse beigesteuert. So wurde eine enorme Bandbreite an Schwerpunkten und Hinweisen zur Kooperation zwischen Weiterbildungsakteuren und Regionalem Bildungsnetzwerk zutage gefördert. Deutlich wurde dabei auch, wie passgenau die Strategie einer Kooperation auf die jeweils spezifischen Gegebenheiten vor Ort abgestimmt werden muss.

Modellstandort Bonn

Die Vertreter/-innen des Projektes in Bonn konnten bereits auf Erfahrungen vorheriger Kooperationen aufbauen. Sie machten es sich deshalb zur Aufgabe, zielgerichtet an einer Systematisierung der Kooperation zu arbeiten. Durch die „Definition von Standardelementen“ wollen sie dabei sicherstellen, dass die im Projekt gesammelten Erkenntnisse nicht an bestimmte Personen gebunden bleiben, sondern systematisch weitergegeben werden können. Ergebnis: Das Bonner Bildungsbüro hat gemeinsam mit einer Vertreterin der VHS sowie dem Sprecher der AG der anerkannten Weiterbildungsträger, der einen freien Träger vertritt, ein auf drei Säulen ruhendes Konzept für die künftige Zusammenarbeit ausgearbeitet.

Modellstandort Herford/Vlotho

Die Vertreter/-innen aus Herford haben vorgemacht, wie eine starke Öffentlichkeitsarbeit der Regionalen Weiterbildung gelingen kann. Sie nahmen das Projekt zum Anlass, eine Homepage mit allen Beratungsangeboten vor Ort zu erstellen. Geschickt wählten sie den „Tag der Weiterbildung“, um sich der Öffentlichkeit medienwirksam vorzustellen. Ein organisiertes Auftreten ist nicht nur eine zentrale Gelingensbedingung für eine funktionierende Kooperation mit den Regionalen Bildungsnetzwerken, sondern hat auch für die Weiterbildungsszene selbst einen großen Wert.

Modellstandort Märkischer Kreis/Iserlohn

Von den Vertretern und Vertreterinnen des Regionalen Bildungsbüros und den Ansprechpartnern und Ansprechpartnerinnen der Bildungsanbieterim Märkischen Kreis kann man sich hervorragend abschauen, wie die Zusammenarbeit Schritt für Schritt entwickelt werden kann.

Zunächst wurden bei einem ersten Treffen die gegenseitigen Kenntnisse über beide Organisationsstrukturen und Arbeitsbereiche vertieft. In einer zweiten Diskussions- und Austauschphase fand man ein Arbeitsfeld, auf das sich beide Partner für die Zusammenarbeit verständigten (in diesem Fall konkret das Thema: Beschäftigungsfähigkeit), um danach in einem dritten Schritt die Phasen und Inhalte eines gemeinsamen Arbeitsprojektes zu entwickeln. Ein Gedanke ist, in einem eigenen Flyer die diversen Bildungsmöglichkeiten während und nach der Schulzeit für Eltern, Jugendliche und Erwachsene sowie für die unterschiedlichen Akteure der Bildungs- und Arbeitsberatung transparent zu machen.

An diesem Beispiel lässt sich gut nachvollziehen, wie eine Zusammenarbeit von der ersten Kontaktaufnahme bis zur fertigen Projektskizze eine Kooperation erfolgreich angebahnt und beschritten werden kann.

Modellstandort Oberhausen

Dieser Standort ist der beste Beweis dafür, wie wertvoll eine gute Vernetzungstradition innerhalb der Weiterbildung für die Zusammenarbeit mit den Regionalen Bildungsnetzwerken ist. Über die bilateralen Kooperationen mit Schulen hinaus, die als Ergebnis der Zusammenarbeit durch das Regionale Bildungsbüro koordiniert werden, hat der Arbeitskreis der gemeinwohlorientierten Weiterbildungsträger in Oberhausen einen ständigen Sitz im Lenkungskreis erringen können, so dass die Weiterbildung dort abwechselnd von einem kommunalen oder einem freien Weiterbildungsprofi vertreten wird.

 
Etappensiege: Ein Zeichen, dass es nach vorne geht

Das Modellprojekt insgesamt war überaus erfolgreich. Es hat zum einen aufzeigen können, welche Potenziale die Weiterbildung für die Regionalen Bildungsnetzwerke bereithält und wie sich diese praktisch erschließen lassen. Zum anderen wurde das Thema insgesamt stärker ins öffentliche Bewusstsein geholt. Dass das Interesse an einer systematischen Zusammenarbeit auf beiden Seiten wächst, lässt sich an mehreren Stellen nachvollziehen.

  • Regionale Bildungsnetzwerke entwickeln sich weiter: Immer mehr Bildungsregionen weiten ihren Blick von der Schulentwicklung auf das lebenslange Lernen aus. Ebenso stellen sie sich aktuellen Herausforderungen, die eine bildungsbereichsübergreifende Zusammenarbeit schlicht erfordern. Dabei rückt die Weiterbildung als potenzieller Kooperationspartner zunehmend in ihren Blick.
  • Die Regionalen Bildungsnetzwerke waren in 2012 Thema auf drei Regionalkonferenzen der Weiterbildung: In Vorträgen wurden dem Fachpublikum, das sich aus Vertretern und Vertreterinnen der Weiterbildung und Regionaler Bildungsnetzwerke zusammensetzte, Vorteile und erste Erfahrungen der Zusammenarbeit vorgestellt. Ergänzt wurden die inhaltlichen Vorträge durch interaktive Formate wie Podiumsdiskussionen, Workshops und World-Cafés.
  • So trat nicht nur das Fachpublikum in einen lebendigen Austausch miteinander, sondern die Vertreter/-innen beider Seiten aus den Modellprojekten nutzten die Vorbereitung als Anlass zur Vertiefung der Zusammenarbeit. Auch die Nachbereitung wird als Chance begriffen, die stärkere Einbindung der Weiterbildungseinrichtungen in Regionale Bildungsnetzwerke systematisch voranzutreiben. Dadurch, dass viele Akteure erreicht werden, werden die landesweit stattfindenden Regionalkonferenzen der Weiterbildung erfolgreich genutzt, um das Thema „in die Fläche“ zu tragen.
  • Je besser die Weiterbildung die organisatorischen Bedingungen dafür schafft, ihr Fachwissen in den Bildungsnetzwerken zur Geltung zu bringen, desto stärker wird ins öffentliche Bewusstsein vordringen, wie unverzichtbar ihre Beteiligung ist und welche Voraussetzungen dazu geschaffen werden müssen.

Zwischenfazit (lang)

Unterschiedliche Systeme – unterschiedliche Wahrnehmungen

Im Modellprojekt wurde aber auch deutlich, warum die Weiterbildung bislang so wenig in den Regionalen Bildungsnetzwerken vertreten ist. Die Akteure wissen schlichtweg kaum voneinander! Und sie wissen wenig übereinander! Um Irritationen in der Kooperationspraxis zu vermeiden, ist es für beide Seiten wichtig, Logik und Zwänge, Arbeitsauftrag und Interessenlage des Gegenübers besser zu verstehen: Hier besteht noch viel Aufklärungsbedarf auf beiden Seiten.