Partner: Wie organisiert sich Weiterbildung? Und: Wie funktionieren Regionale Bildungsnetzwerke?

Für Praktiker/-innen der Weiterbildung: So funktionieren Regionale Bildungsnetzwerke

1. Was sind Regionale Bildungsnetzwerke?

Regionale Bildungsnetzwerke werden als „institutionell übergreifende Organisationsformen von Schulträgern, Schulen, Schulaufsicht und weiteren Institutionen verstanden, die sich mit schulischer und beruflicher Bildung befassen bzw. einen Bildungsauftrag haben“. Fast alle Kreise bzw. Städte in NRW haben sich inzwischen entschieden, Bildungsregionen zu werden, indem sie effiziente Informations- und Kommunikationsplattformen einrichten, die darauf abzielen, dass die bildungsrelevanten Akteure vor Ort gemeinsam und systematisch aufeinander abgestimmt Verantwortung für gute Bildung übernehmen.

Schließlich zielen die Regionalen Bildungsnetzwerke auf die Gestaltung von Bildungsbiografien ohne Brüche ab. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn bildungsbereichsübergreifend kooperiert wird und alle öffentlich verantworteten Bildungsbereiche die gewachsene Versäulung überwinden, indem sie sich vernetzen und systematischer als zuvor mit Schulen kooperieren. Das Fachwissen aus außerschulischen Bereichen wie der Weiterbildung rückt in diesem Zuge immer stärker in den Fokus.

Erklären sich Städte oder Kreise bereit, eine Stelle für die Einrichtung eines Bildungsnetzwerks abzustellen, unterstützt sie das Land mit einer pädagogischen Stelle; in der Regel werden dafür Lehrer/-innen abgestellt. Über ein Budget oder zusätzliche Mittel für die Bildungsarbeit (im Sinne von Projekten, Angeboten etc.) verfügen die Regionalen Bildungsnetzwerke nicht. Die Idee der Bildungsnetzwerke besteht vielmehr darin, die bereits vorhandenen Ressourcen der beteiligten Akteure unbürokratischer miteinander zu vernetzen und so effektiver zu nutzen.

Hervorgegangen sind Regionale Bildungsnetzwerke aus dem Projekt „Selbstständige Schule“, einem der größten Schulentwicklungsprojekte, das das MSW von 2002 bis 2008 gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung realisiert hat. Auch wenn die Grundidee der Bildungsnetzwerke in diesem Projekt schon ein Stück weit vorweggenommen wurde, wies es einen klaren Schulfokus auf. Weil Bildungsnetzwerke oft auf den Strukturen des Vorgängerprojektes aufbauen, stellen insbesondere die bildungsbereichsübergreifenden Handlungsfelder neue, spannende Herausforderungen dar.

Einen guten Überblick über die verschiedenen Regionalen Bildungsnetzwerke in NRW finden Sie unter »www.regionale.bildungsnetzwerke.nrw.de.

2. Organisation Regionaler Bildungsnetzwerke

Gegründet werden können Regionale Bildungsnetzwerke von kreisfreien Städten oder Kreisen. Dementsprechende Kooperationsverträge werden zwischen dem Land NRW sowie den kreisfreien Städten bzw. Kreisen abgeschlossen. Entsprechend des Kooperationsvertrages richten alle Regionalen Bildungsnetzwerke eine „Trias“ aus Lenkungskreis, Bildungskonferenz und Regionaler Geschäftsstelle ein, die meist als „Regionales Bildungsbüro“ geführt wird. Weiterhin sind zentrale Eckpunkte zur Zusammensetzung der Gremien und ihren Aufgaben definiert. Wie diese dann konkret ausgestaltet werden, hängt von den spezifischen Gegebenheiten in den Bildungsregionen ab. Daher kann der folgende Teil nur den grundsätzlichen Rahmen umreißen:

Lenkungskreis

Die Lenkungskreise bereiten alle strategisch wichtigen Absprachen und Entscheidungen für die Bildungsregion vor. In diesem Gremium sind Mitglieder von Land, Kreis, kreisangehörigen Kommunen oder Städten sowie von Schule fest vertreten. Anlass- und themenbezogen können auch Vertreter/-innen anderer Einrichtungen als Berater/-innen hinzugezogen werden.

Regionale Bildungskonferenz

Mindestens ein Mal im Jahr wird die Regionale Bildungskonferenz, in der sämtliche Repräsentanten und Repräsentantinnen von Schule, des Schulträgers, der Schulaufsicht und „anderen Institutionen und Einrichtungen“ vertreten sind, zu einer großen Vollversammlung einberufen. In diesem Gremium werden das Leitbild und die Empfehlungen zur zukünftigen Entwicklung der Bildungsregion und ihrer Handlungsfelder erarbeitet. Geleitet wird sie durch ein „Kollegialsystem“ aus Kommune und Schulaufsicht, geladen werden oft Hunderte Gäste. Zu speziellen Themen können auch Teilversammlungen mit speziellen Teilnehmern und Teilnehmerinnen stattfinden.

Regionale Geschäftsstelle/Regionales Bildungsbüro

In jeder Stadt bzw. jedem Kreis wird eine Regionale Geschäftsstelle eingerichtet, die für die Umsetzung der von der Bildungskonferenz empfohlenen Maßnahmen sowie für die Unterstützung und Beratung der Schulen verantwortlich ist. Wo die Geschäftsstelle eingerichtet und wer dafür abgestellt wird, ist der Kommune überlassen. Das kann durchaus im Bereich Schulverwaltung geschehen, doch angesichts des weiten inhaltlichen Fokus auf lebenslanges Lernen können sich andere Stellen ganz besonders eignen.

Die Bildungsbüros setzen sich mindestens aus einer verwaltungsfachlichen Stelle der Kommunen und einer pädagogischen Stelle des Landes zusammen. Wird die Kommune durch „Lernen vor Ort“ gefördert, können es auch mehr sein. Die Bildungsbüros setzen die Beschlüsse der Bildungskonferenz und des Lenkungskreises um. Hier werden die Konzepte für die Schule und die Zusammenarbeit mit anderen Bildungspartnern und Bildungspartnerinnen entwickelt, und hier finden Sie Ihre Ansprechpartner/-innen!

Regionale Bildungsbüros stimmen sich zudem grundsätzlich mit den Kompetenzteams für Lehrer- und Lehrerinnenfortbildung ab, die die Prioritäten des Landes in der Lehrer- und Lehrerinnenfortbildung vertreten und sich am Fortbildungsbedarf der Schulen vor Ort orientieren. Für die Weiterbildung sind die Kompetenzteams insofern relevant, als dass sie sich durch Kooperationen aktiv an der konkreten Ausgestaltung der Bildungsnetzwerke beteiligen.

Handlungsfelder

Regionale Bildungsnetzwerke fokussieren ihre Arbeit jährlich auf bestimmte Handlungsfelder. Die Bildungskonferenz spricht hierzu Empfehlungen aus. Dem sollte ein offener Diskussionsprozess vorangegangen sein, in den alle Interessierten ihre Einschätzung der Bedarfe vor Ort einbringen konnten. Wurden die Handlungsfelder vom Lenkungskreis beschlossen, beginnen die Bildungsbüros mit der praktischen Arbeit:

  • Übergang Kita/Schule
  • Übergang Schule/Beruf
  • Ausbau von Ganztags- und Betreuungsangeboten
  • Intensivierung der Zusammenarbeit mit Kultur und Sport
  • Integration von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund
  • Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen (insbes. im Elementar- und Primarbereich)
  • Geschlechtergerechtigkeit/Inklusion/Antidiskriminierung
  • Umwelterziehung/Verkehrserziehung/Gesundheitserziehung
  • Gewaltprävention
    n u. a.

Wie zu sehen ist, entsprechen viele bildungsbereichsübergreifende Handlungsfelder der Bildungsbüros dem Aufgaben- und Angebotsprofil der Weiterbildungsanbieter – für ihre Expertise gibt es also einschlägigen Bedarf!